Betrug auf Kleiderkreisel

© Mango

07 Jun Betrug auf Kleiderkreisel

Eine Leidensgeschichte in 3 Akten

Kleiderkreisel – ein Portal für private Verkäufe, quasi ein Online Flohmarkt. Eigentlich eine gute Erfindung. Man wird seine alten Sachen los und findet dafür etwas Neues, unkompliziert und günstig.
Ich habe eigentlich schon öfter etwas auf Kleiderkreisel ver- und gekauft und bisher immer relativ gute Erfahrungen gemacht. Manche Käufer waren vielleicht etwas kompliziert oder haben versucht den (meistens ohnehin schon niedrigen) Preis noch weiter zu drücken, nach dem Motto jeder Euro zählt. Die Verkäufer hingegen waren aber bisher immer sehr nett und fair. Wahrscheinlich auch deswegen, weil ich eben nicht gerne feilsche sondern bereit bin den geforderten Preis zu bezahlen.
Leider musste ich aber vor kurzem aber auch die Schattenseiten dieses so nett klingenden Portals kennen lernen:

Erster Akt – Liebe auf den ersten Blick

Vor einiger Zeit habe ich auf dem Youtube Kanal von Jasmin alias Madame TamTam einen Mango Fashion Haul gesehen und war im Speziellen von einem Teil besonders begeistert:

Ein Himbeer-Rosa farbiger Pulli mit Zierschleifen an den Ärmel von Mango. ♥
Mango Pulli mit Zierschleifen

Natürlich wollte ich ihn mir sofort bestellen und habe mich direkt durch die unübersichtliche Seite von Mango gekämpft, wo ich das gute Stück aber leider nicht mehr entdecken konnte.
Der Affiliate Link von Madame Tam Tam in der Info Box unter ihrem Video hat mich dann aber doch auf die richtige Seite geschickt, wo ich leider feststellen musste, dass der Pulli schon ausverkauft ist. Oh Nein!

Mango Pulli Benachrichtigung 2

Zweiter Akt – Der Betrug

„Nur nicht aufgeben“ dachte ich mir und habe mich sowohl für eine Verfügbarkeitsnachricht bei Mango angemeldet falls der Artikel wieder nachgeliefert wird, aber auch auf anderen Portalen nach ihm gesucht. Schließlich bin ich auf Kleiderkreisel fündig geworden. Da war er: angeblich nur einmal getragen und auch noch gut 10 Euro günstiger als bei Mango selbst. Perfekt!

Die Anbieterin Stewwwi, so ihr Nickname auf Kleiderkreisel, hatte bei über 200 Bewertungen sehr viele positive und nur wenig negative Benotungen (später fand ich dann auch heraus warum) weswegen ich sie für vertrauenswürdig hielt. Ich habe ihr noch ein einige Male geschrieben und mir versichern lassen, dass es sich auch wirklich um den Pulli handelt, den ich doch so unbedingt haben wollte. Alles ganz problemlos.


Stewwwi machte einen sehr netten Eindruck und so habe ich zugesagt den Pulli zu kaufen. Nach einem kurzen Austausch von Kontodaten ihrerseits und Adresse meinerseits war alles fixiert. Ich habe noch am selben Tag überwiesen und am Tag darauf hat mir Stefanie bestätigt, dass der Betrag auf ihrem Konto eingegangen war und sie das Paket am nächsten Tag verschicken wird. Doch ich wartete vergeblich auf den bezahlten Artikel.

Nach einer Woche wollte ich Stefanie Werther im Kleiderkreisel-Chat eine Nachricht schicken um zu fragen ob sie eine Trackingnummer des Paketes hat  und musste leider feststellen, dass mich die Nutzerin blockiert hatte. Es war mir unmöglich mit ihr in Kontakt zu treten. Damit war mir eigentlich schon klar: Ich bin einer Betrügerin auf den Leim gegangen.Kleiderkreisel Nachrichtenverlauf

Dritter Akt – Wenn dir keiner hilft, hilf dir selbst

Es gab für mich keine Möglichkeit mehr Stewwwi zu kontaktieren und ich konnte ihr nicht einmal eine Bewertung schreiben um andere zu warnen. Die logische Konsequenz war sie bei Kleiderkreisel selbst zu melden.

Hierzu gibt es einen praktischen Button im Nachrichtenverlauf mit dem jeweiligen User durch den man die Person aus diversen Gründen, u.a. Betrug, melden kann. Ich habe den Anweisungen entsprechend Meldung über die Userin erstattet, aber endtäuschenderweise von Kleiderkreisel keine Antwort erhalten. Über Umwege habe ich eine Email Adresse herausgefunden, denn so etwas wie eine Hotline gibt es leider nicht. Es kam aber nur eine wenig hilfreiche Antwort von einem Mitarbeiter namens Kyryl zurück, die mich erneut auf den Button und das Hilfe-Center auf dem Portal aufmerksam machte.

{…}

Leider ist es für uns unmöglich, dir weiterzuhelfen, wenn du uns per E-Mail anschreibst. Du kannst uns nur über das Hilfe-Center erreichen!

Hier https://www.kleiderkreisel.de/help/recent_transactions siehst du eine Übersicht über deine Transaktionen und findest über die Suchfunktion einfach und bequem alle Informationen, die dir am schnellsten weiterhelfen! 

Solltest du trotzdem unsere Hilfe benötigen, kontaktiere uns bitte über die entsprechende Transaktion – so bekommen wir alle Informationen gleich und können dir dann schnell weiterhelfen.

Bitte beachte, dass wir auf Transaktionen, die nicht über unser System mit dem “Kaufen”-Button abgewickelt wurden, keinen Zugriff haben und dich dort nicht schützen und unterstützen können.

Wir möchten dir daher in so einem Fall ans Herz legen, in Zukunft ausschließlich über unsere Technik zu handeln.
{…}

Also habe ich es ein zweites Mal auf dem genannten Weg versucht, aber wieder keine Rückmeldung erhalten. Es war zweifelsohne ein großer Fehler die Transaktion nicht über den „Kaufen“ Button zu regeln und nicht über Paypal oder das Kleiderkreisel Bezahlsystem zu bezahlen. Dennoch habe ich erwartet Hilfestellung,  Auskunft über den Vekäufer oder wenigstens die Möglichkeit einer Bewertung auf dem Profil von Stewwwi zu erhalten. In meiner Verzweiflung habe ich mich erneut an Kyryl gewandt und die Sachverhalt erneut geschildert mit der Bemerkung, dass ich vom Kleiderkreisel Hilfe-Center nicht beachtet werde. Doch ich wurde erneut nur durch Floskeln abgefertigt:

{…}

Wie schon mehrfach erwähnt, ich kann dir nicht helfen, wenn du mich über diese Email-Adresse anschreibst. Bitte den Hilfe-Center benutzen.

Einen schönen Abend noch!
{…}

Nun hatte ich alle „einfachen“ Möglichkeiten ausgeschöpft und mir blieb nur die letzte Insanz: Anzeige bei der Polizei.
Nachdem mir die Bankdaten und der reale Name von Stewwwi bekannt waren konnte ich bei der zuständigen Stelle Anzeige wegen Betruges erstatten.

Als Fazit für mich

Ich bin sehr enttäuscht von Kleiderkreisel und deren Kundenservice. Auch wenn ich den Kauf nicht über das empfohlene System getätigt habe, habe ich dennoch mit Hilfestellung gerechnet. Selbst wenn Kleiderkreisel nicht für das verlorene Geld aufkommt, wäre es angebracht wenn ich die Userin Stewwwi wenigstens bewerten könnte um andere zu warnen und ihnen die Unannehmlichkeiten ersparen könnte die ich hinter mir habe. Ich finde es äußert fahrlässig, dass Kleiderkreisel es möglich macht, dass Nutzer andere Nutzer ohne Angabe von Gründen blockieren können und so Betrügern leichtes Spiel machen.
Ich werde garantiert nichts mehr auf Kleiderkreisel kaufen oder verkaufen, auch wenn ich bis zu diesem Zeitpunkt nur gute Erfahrungen gemacht habe. Das Verhalten der Kleiderkreiselmitarbeiter war aber derart unkooperativ und desillusionierend, dass ich das Portal nicht weiter unterstützen möchte.

(Nachtrag: Ich habe zwar von Kleiderkreisel keine Hilfe bekommen, aber mir wurde auf mehrfaches Nachfragen hin die Möglichkeit geboten die Userin zu bewerten.
Der Pullover war einige Wochen später bei Mango wieder erhältlich. Ich habe ihn sofort bestellt. Wäre ich einfach geduldiger gewesen, wäre mir die Misere erspart geblieben)

Tipps für privaten Kauf und Verkauf auf Kleiderkreisel und ähnlichen Portalen

  • Bewertungen der Nutzer lesen, aber trotzdem kritisch bleiben. Manchmal sind positive Bewertungen auch von Freunden bzw. wie in meinem Fall werden Nutzer, die negativ bewerten würden blockiert bevor sie die Bewertung abgeben können.
  • Niemals per Vorkasse bezahlen
  • Bei Bezahlung über Paypal immer über „Geld senden“ und nicht über „Geld an Freunde senden“ bezahlen
  • Nachrichtenverkehr immer über das Portal selbst führen und nicht über private Emails oder Telefon
  • Immer den „Kaufen“ Button drücken, wenn der Kauf besiegelt werden soll
  • Immer auf versicherten Versand mit Tracking Nummer bestehen
  • Jeden Betrug melden, auch wenn es nur Kleinbeträge sind.

 

 

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